PARADOXY Rec. – ILLUSION VA2
Illusion VA2 ist eine Compilation-Veröffentlichung von Paradoxy Records, einem Berliner Independent-Label an der Schnittstelle von Leftfield, Techno, Electro und Breaks. Der Auftrag bestand darin, eine vollständige visuelle Identität für die Veröffentlichung zu entwickeln: Kassette, Cover, Spine und Inlay, entworfen, gerendert und art-directed für ein Produkt, das unter Paradoxy Records vertrieben wird. Die 3D-Visualisierungen entstanden als Teil der offiziellen Veröffentlichung und wurden für Promotion und digitalen Vertrieb eingesetzt.
Die visuelle Sprache des Projekts baut auf einer einzigen Frage: Wie sieht Kontrolle aus, wenn sie zusammenbricht?
Strafvollzugs-Orange als dominante Farbe—nicht Energie, nicht Wärme, sondern die Signalfarbe institutioneller Autorität. Dagegen: eine Found-Image-Collage, zusammengesetzt in der Tradition von Punk- und DIY-Druckkultur, durch Halbton-Raster und Bitmap-Artefakte so weit degradiert, dass sie wie ein Fahndungsfoto oder ein handgereichter Flyer liest. Das Gesicht taucht aus Rauschen auf, nicht aus Auflösung. Identität als etwas Fragmentiertes, Gesampletes, halb Entzogenes.
Diese visuelle Logik setzt sich direkt im Materialsystem fort. Das Kassettengehäuse ist in transluzentem Milchglas-Polycarbonat gerendert: nicht durchsichtig, nicht opak. Es verbirgt die Mechanik im Inneren und lässt sie gleichzeitig als Schatten und Brechung sichtbar bleiben. Der silberne Rasterdruck auf der Schale löst sich im Material auf, präsent aber unlesbar, wie ein geschwärztes Dokument. Information, die da ist, aber nicht vollständig zugänglich.
Drei Oberflächen, drei Zustände von Sichtbarkeit. Das Objekt selbst wird zum Konzept.
Der 3D-Aufbau erforderte präzise Materialdifferenzierung über ein einziges kompaktes Objekt. Das Kassettengehäuse verwendet einen Milchglas-Shader mit kontrollierten Streuungs- und Transmissionswerten. Ziel war eine Oberfläche, die als gefertigt statt gerendert lesbar ist, mit den innenliegenden Bandspulen als abgedunkelte Masse hinter mattiertem Polycarbonat sichtbar. Der silberne Halbton-Druck auf der Schale wurde als separate Materiallage mit nahezu null Spekulanz entwickelt, innerhalb der Geometrie sitzend statt auf ihr.
Das Cover-Artwork entstand parallel als Print-Design-System: grobe Bitmap-Collage, aggressive Typografie, ein Farbfeld aus reinem Orange, das siebgedruckte Veröffentlichungscover der frühen 1980er Jahre referenziert. Der Kontrast zwischen der hyperrealen Oberflächensimulation der 3D-Arbeit und der bewusst degradierten Druckästhetik ist nicht beiläufig—er ist die zentrale Spannung, die das Projekt hält.
Zwei Lichtsituationen wurden entwickelt: ein High-Key-Weißstudio-Setup, um die Materialeigenschaften der transluzenten Schale isoliert zu lesen, und eine schwarze Void-Umgebung für den vollständigen Produktshot, in der das orange Inlay zur einzigen Lichtquelle im Bild wird.
3D Hardsurface Modeling · Shader & Look Development · Lighting & Rendering · Art Direction · Collage & Print Design · Visual Identity





